Was ist der richtige Reifendruck und Bodendruck beim Säen und Pflügen mit Landwirtschaftsreifen?
Ein zu hoher Reifendruck erhöht den Bodendruck und vergrößert das Risiko von Bodenverdichtung. Ein zu niedriger Druck ohne Berechnung kann zu einer übermäßigen Belastung der Karkasse führen. Gleichzeitig beeinflussen Reifendruck und Gewichtsverteilung direkt den Schlupf sowie den Kraftstoffverbrauch.
Die technische Abstimmung von Landwirtschaftsreifen ist daher kein Detail, sondern ein entscheidender Faktor für Bodenstruktur, Maschineneffizienz und Ertragspotenzial.
Dieser Artikel wurde von Gerrit Jonker verfasst.
Gerrit Jonker ist Accountmanager Landwirtschaft bei Profile Heuver und seit 1983 in der Reifenbranche tätig. Darüber hinaus ist er Ausbilder bei VakMans, dem Schulungszentrum von Heuver. Mit seiner langjährigen Praxiserfahrung teilt er sein Wissen mit Kunden und neuen Fachkräften.
Bodendruck und Aufstandsfläche: die technische Grundlage
Bodenverdichtung entsteht durch einen zu hohen Druck pro Quadratzentimeter. Dieser Druck wird durch drei Variablen bestimmt:
• Belastung pro Reifen (kg)
• Reifendruck (bar)
• Aufstandsfläche (cm²)
Formel:
Belastung ÷ Reifendruck = theoretische Aufstandsfläche
Ist der Reifendruck höher als technisch erforderlich, verkleinert sich die Aufstandsfläche. Dadurch konzentriert sich der Druck in der Reifenspur und kann in tiefere Bodenschichten eindringen.
Untersuchungen im Agrarsektor zeigen, dass wiederholte Bodenverdichtung über mehrere Saisons zu erheblichen Ertragseinbußen führen kann, da Wurzelentwicklung und Wasserhaushalt beeinträchtigt werden.
Im Frühjahr ist dieses Risiko aufgrund der höheren Bodenfeuchtigkeit und der geringeren Tragfähigkeit besonders groß.
Fazit:
Der Bodendruck sollte auf Basis der tatsächlichen Belastung und des Reifendrucks berechnet werden und nicht auf Grundlage von Standardwerten.
Reifendruck richtig einstellen: Feldarbeit versus Transport
Der richtige Reifendruck ergibt sich aus den Load-/Speed Index Tabellen des Herstellers und wird bestimmt durch:
• Tatsächliche Achslast
• Fahrgeschwindigkeit
Bei Feldarbeiten ist die Geschwindigkeit in der Regel niedriger als beim Straßentransport. Dadurch ist ein niedrigerer Reifendruck möglich, sofern er innerhalb der zulässigen technischen Spezifikationen liegt.
Branchenpublikationen betonen zudem die Bedeutung einer dynamischen Anpassung: Ein zu niedriger Reifendruck auf der Straße führt zu erhöhtem Verschleiß und Wärmeentwicklung, während ein zu hoher Druck im Feld den Bodendruck erhöht und Spurrillen verursacht.
Sowohl zu niedriger als auch zu hoher Reifendruck erhöht den Kraftstoffverbrauch.
Der Reifendruck muss daher an die jeweilige Anwendung angepasst werden: Feld oder Straße.
Fazit:
Der optimale Reifendruck ist ein berechneter und anwendungsabhängiger Wert, nicht ein fester Druck für alle Bedingungen.
IF- und VF-Reifen: höhere Tragfähigkeit bei niedrigerem Druck
Um höhere Achslasten mit geringerem Bodendruck zu kombinieren, werden IF- und VF-Reifen eingesetzt.
Ein IF-Reifen (Improved Flexion) erlaubt bis zu 20 % niedrigeren Reifendruck bei gleicher Belastung.
Ein VF-Reifen (Very High Flexion) ermöglicht bis zu 40 % niedrigeren Reifendruck bei gleicher Belastung.
Technischer Effekt:
- Größere Aufstandsfläche
- Geringerer Druck pro cm²
- Verbesserte Traktion
- Weniger Schlupf
- Geringerer Kraftstoffverbrauch
Der Unterschied wird deutlich, wenn ein Standard-Radialreifen beispielsweise mit 1,2 bar eingesetzt wird, während ein VF-Reifen bei gleicher Belastung mit 0,8 bar arbeiten kann.
Bei 1,2 bar ist die Aufstandsfläche kleiner und die Belastung konzentriert sich stärker unter der Mitte der Lauffläche. Der Druck wirkt tiefer in den Boden ein, wodurch das Risiko einer Unterbodenverdichtung steigt.
Bei 0,8 bar verformt sich der Reifen stärker über die Aufstandsfläche, sodass sich die Belastung über eine größere Fläche verteilt. Der Druck pro cm² sinkt und bleibt stärker auf die obere Bodenschicht begrenzt. Dadurch werden tiefe Strukturschäden und Spurbildung reduziert.
Praxisberichte und Branchenanalysen zeigen, dass eine größere Aufstandsfläche nicht nur den Bodenschutz verbessert, sondern auch zu einer effizienteren Kraftübertragung und einem geringeren Kraftstoffverbrauch pro Hektar beiträgt.
Fazit:
IF- und VF-Technologie vergrößern die Aufstandsfläche, reduzieren den Druck pro cm² und begrenzen tiefe Bodenverdichtung bei hoher Belastung.
Schlupf beim Pflügen: Kontrolle der Effizienz
Beim Pflügen ist ein kontrollierter Schlupf notwendig, um eine optimale Traktion zu erreichen.
Optimaler Schlupfbereich: 8–15 %
• < 8 % → die Traktion wird nicht vollständig genutzt
• > 15 % → Energieverlust, zusätzlicher Verschleiß und höhere Bodenbelastung
Reifendruck, Gewichtsverteilung und Profilaufbau beeinflussen den Schlupf direkt.
Branchenpublikationen betonen, dass ein korrekt eingestellter Reifendruck nicht nur den Schlupf reduziert, sondern auch den Dieselverbrauch pro Hektar verbessert, da die Leistung effizienter übertragen wird.
Fazit:
Der Schlupf dient als praktischer Indikator für die richtige Abstimmung von Reifendruck und Gewichtsverteilung.
Vorlaufverhältnis bei Allradtraktoren (4WD)
Beim Wechsel der Reifengröße oder des Reifentyps (z. B. Umstieg auf VF-Reifen) muss das Verhältnis der Abrollumfänge zwischen Vorder- und Hinterachse überprüft werden.
Der empfohlene Vorlauf liegt in der Regel zwischen +1 % und +3,5 %.
Formel:
((Abrollumfang Vorderreifen × Übersetzungsverhältnis) − Abrollumfang Hinterreifen)
÷ Abrollumfang Hinterreifen × 100 = Vorlauf (%)
Eine falsche Abstimmung kann führen zu:
- Beschleunigtem Reifenverschleiß
- Zusätzlicher Belastung der Transmission
- Reduzierter Effizienz
Die Reifenkonfiguration beeinflusst somit nicht nur den Boden, sondern auch die mechanische Belastung des Antriebsstrangs.
Fazit:
Ein korrektes Vorlaufverhältnis verhindert mechanische Überlastung und unterstützt eine effiziente Kraftübertragung.
Reifendruckregelsysteme: anwendungsabhängige Optimierung
Maschinen, die regelmäßig zwischen Feldarbeit und Transport wechseln, profitieren von Reifendruckregelsystemen.
Im Feld:
• Niedrigerer Reifendruck
• Größere Aufstandsfläche
• Geringerer Bodendruck
Auf der Straße:
• Höherer Reifendruck
• Geringerer Rollwiderstand
• Weniger Wärmeentwicklung
Praxisuntersuchungen zeigen Kraftstoffeinsparungen von etwa 7–10 %, wenn das System korrekt eingesetzt wird.
Fazit:
Variable Reifendrücke optimieren sowohl den Bodenschutz als auch die Transporteffizienz.
Heuver-empfehlung: technische Berechnung als Standard
Säen und Pflügen erfordern:
- Korrekte Berechnung der Belastung
- Anpassung des Reifendrucks an die Anwendung
- Einsatz geeigneter Reifentechnologien (Radial, IF, VF)
- Kontrolle des Schlupfs
- Überprüfung von Abrollumfang und Vorlauf
- Richtige Kombination von Reifen und Felge
Heuver Reifen kombiniert spezialisiertes Wissen über Landwirtschaftsreifen mit technischen Produktdaten und praktischer Erfahrung. Durch systematisches Berechnen statt Schätzen wird nicht nur der Boden geschützt, sondern auch die Effizienz von Maschine und Fläche optimiert.
FAQ – häufig gestellte Fragen zu Landwirtschaftsreifen im Frühjahr
Was ist der ideale Reifendruck beim Pflügen?
Das hängt von Achslast und Geschwindigkeit ab. Verwenden Sie immer die Load-/Speed-Tabelle des Herstellers.
Warum ist ein niedrigerer Reifendruck im Feld vorteilhaft?
Weil sich die Aufstandsfläche vergrößert und der Druck pro cm² sinkt, wodurch Bodenverdichtung reduziert wird.
Wann sollte ich einen VF-Reifen wählen?
Bei hohen Achslasten und wenn ein möglichst geringer Bodendruck ohne Verlust der Tragfähigkeit erforderlich ist.
Was ist der optimale Schlupf beim Pflügen?
Zwischen 8 % und 15 % für effiziente Traktion.
Warum ist der Vorlauf bei 4WD wichtig?
Ein falscher Vorlauf erhöht die Belastung der Transmission und beschleunigt den Verschleiß.